Sie wollen ein Angebot schneller formulieren und tippen den Text in ChatGPT. Kurz vor dem Absenden stocken Sie: Da stehen der Name des Kunden drin, die Adresse, Ihre Preise. Wo landet das eigentlich? Diese Frage stellt sich gerade in vielen Betrieben, und sie ist berechtigt.
Warum das Zögern richtig ist
Die bekannten KI-Dienste laufen auf Servern der Anbieter, meist in den USA. Was Sie dort eintippen, verlässt Ihren Betrieb. Bei einem Gedicht zum Firmenjubiläum ist das egal. Bei Kundendaten, Personalunterlagen oder Ihrer Kalkulation ist es das nicht.
Zwei Dinge kommen zusammen. Erstens die DSGVO: Sobald personenbezogene Daten im Spiel sind, brauchen Sie eine saubere rechtliche Grundlage dafür, dass ein Dienstleister sie verarbeitet. Zweitens das Betriebsgeheimnis: Ihre Preise und Ihr Wissen über Kunden sind ein Wettbewerbsvorteil, den man nicht leichtfertig aus der Hand gibt.
Was heute gilt: Cloud-KI ist möglich, aber mit Regeln
KI aus der Cloud ist nicht verboten. Die Anbieter haben Geschäftsvarianten, bei denen Ihre Eingaben nicht zum Training verwendet werden und ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung die DSGVO-Seite regelt. Damit lässt sich heute schon sauber arbeiten.
Der häufigste Fehler ist ein anderer: Mitarbeiter nutzen private, kostenlose KI-Konten für Firmendaten, weil es niemand geregelt hat. Die wichtigste Maßnahme kostet darum nichts: Legen Sie fest, welche Daten in welche KI dürfen und welche nicht. Faustregel: Keine Kundennamen, keine Personaldaten, keine Kalkulationen in private Konten.
Was lokale KI ist
Es gibt einen zweiten Weg, und der wird gerade interessant: KI-Modelle, die komplett auf einem Rechner in Ihrem Betrieb laufen. Man nennt sie lokale Sprachmodelle, im Fachjargon lokale LLMs.
Das Prinzip kennen Sie aus Ihrem Gewerk: Es ist der Unterschied zwischen Fernwärme und der eigenen Heizung im Keller. Bei der Cloud beziehen Sie die Leistung von außen und geben dafür etwas nach draußen. Beim lokalen Modell steht die Anlage bei Ihnen. Ihre Daten verlassen das Haus nicht, es funktioniert auch ohne Internet, und es liest niemand mit. Die DSGVO-Frage nach dem Dienstleister stellt sich gar nicht erst, weil kein Dienstleister beteiligt ist.
Was heute schon realistisch ist
Ehrliche Einordnung: Ein lokales Modell auf einem Bürorechner erreicht heute nicht die Qualität der großen Cloud-Dienste. Die besten Modelle brauchen Rechenleistung, die kein Betrieb im Keller stehen hat.
Aber für klar umrissene Aufgaben reicht es oft schon. Ein solides lokales Modell läuft auf einem ordentlichen PC mit guter Grafikkarte, also einer Investition im Bereich weniger tausend Euro. Damit kann es Texte zusammenfassen, Mail-Entwürfe formulieren oder Ihre eigenen Dokumente durchsuchbar machen: Was steht im Wartungsvertrag von Kunde X? Welche Regelung hatten wir beim letzten Gewährleistungsfall? Genau bei solchen Fragen spielt lokal seine Stärke aus, denn hier geht es um Ihre sensibelsten Daten.
Warum die Richtung klar ist
Die Entwicklung läuft seit zwei Jahren in dieselbe Richtung: Die Modelle werden kleiner und gleichzeitig besser. Was gestern einen Serverschrank brauchte, läuft heute auf einem Schreibtischrechner. Gleichzeitig bauen die Chip-Hersteller KI-Rechenleistung inzwischen serienmäßig in normale Büro-PCs ein.
Man muss kein Prophet sein: In wenigen Jahren wird ein Rechner im Betrieb Aufgaben übernehmen, für die heute noch die Cloud nötig ist. Die Frage “Darf ich das eintippen?” beantwortet sich dann von selbst, weil die Daten gar nicht mehr wegmüssen.
Was Sie jetzt tun können
Sie müssen dafür heute keinen KI-Rechner kaufen. Drei Schritte bringen Sie in Position:
- Spielregeln festlegen. Eine Seite Papier reicht: Welche KI-Werkzeuge nutzt der Betrieb, mit welchen Konten, und welche Daten bleiben draußen.
- Bei Cloud-KI auf die Geschäftsvariante achten. Firmenkonto statt Privatkonto, Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Training mit Ihren Daten ausgeschlossen.
- Ordnung in die eigenen Daten bringen. Eine KI, ob lokal oder nicht, ist nur so gut wie das, was sie findet. Wer seine Dokumente, Aufträge und Abläufe sortiert hat, kann jede neue KI-Generation sofort nutzen. Wie beim Auswählen von Handwerkersoftware gilt: erst die Abläufe klären, dann das Werkzeug.
Der dritte Punkt ist der wichtigste. Die Betriebe, die in zwei Jahren von lokaler KI profitieren, sind die, die heute ihre Daten in Ordnung bringen.
Sprechen wir darüber
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